Gehaltssteigerung Vertriebsingenieur: Regelmäßige Jobwechsel als Schlüssel

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Viele VertriebsingenieureInnen zeichnen sich durch einen hohen Fokus auf ihre aktuelle Tätigkeiten sowie durch eine hohe Treue zu ihren Arbeitgebern und Kunden aus. Dabei lassen sie häufig die Chancen einer Gehaltssteigerung ausser acht, die sich für einen Vertriebsingenieur durch den regelmäßigen Wechsel des Arbeitgebers bieten.

Warum ein Jobwechsel bei einem Vertriebsingenieur zu einer Gehaltssteigerung führen kann? 

Während Ingenieure überdurchschnittlich lange Betriebszugehörigkeiten haben, können regelmäßige Jobwechsel Vertriebsingenieuren ein Karrieresprungbrett bieten. Vor allem finanziell lohnt es sich der Jobwechsel so gut wie immer. Gehaltserhöhungen von 5 bis 20 Prozent sind dabei realistisch. 

Wir zeigen Ihnen, wie Sie als Vertriebsingenieur durch regelmäßige Jobwechsel einen enormen finanziellen Vorteil durch eine Gehaltssteigerung erlangen können und wie Sie dabei vorgehen sollten. 

Wie sinnvoll sind regelmäßige Jobwechsel als Vertriebsingenieur für eine Gehaltssteigerung?

Um den Lohn zu erhöhen ist es wichtig zu wissen, wie es am besten geht. Die Arbeitsmarktstudie von 2018 liefert ein eindeutiges Ergebnis, auf Platz eins liegt der Wechsel des Arbeitgebers und gleich dahinter auf Platz zwei ein Stellenwechsel innerhalb des Unternehmens. Jeder fünfte der 1000 befragten Personen gab also einen Arbeitgeber als letzten Grund für eine Gehaltssteigerung an. Laut Cameron Kang erhalten Angestellte, die länger als zwei Jahre in einem Unternehmen verbleiben, 50 % weniger.

Gehaltssteigerung Vertriebsingenieur: Gründe für eine Gehaltserhöhung

In eigentlich allen Berufen führt ein Jobwechsel im Schnitt zu einer Gehaltssteigerung. Besonders zum Tragen kommt dieser Effekt in Bereichen, wo es auf die Kombination eines Studiums oder einer technischen Ausbildung gepaart mit spezifischen Erfahrungswerten- und Kenntnissen ankommt. Als Vertriebsingenieur fällt man in genau so einen Bereich.  

Im Workforce Vitality Report zeigt sich, dass Berufstätige mit regelmäßigen Jobwechseln im Bereich professioneller Dienstleistungen im Schnitt fast 5 % höhere Gehaltssteigerungen bekommen. 

Im Gegensatz zu den 5,8 % Gehaltserhöhung bei gleichbleibendem Arbeitgeber bekommen die regelmäßigen Jobwechsler jährlich 10,7 % mehr Lohn. Als Vertriebsingenieur liegt der Schnitt höher gemäß unserer Erfahrung aus zahlreichen Beratungsmandaten für technische Vertriebsvakanzen. So kann man auf den Durchschnittslohn eines Vertriebsingenieurs von 70.000 € im Jahr aufbauen und sich am oberen Ende der Gehaltsspanne ansiedeln. 

Vergleich der Gehaltssteigerungen

Auf Grundlage dieser Daten haben wir eine Gegenüberstellung der Gehaltsentwicklungen von Vertriebsingenieuren mit regelmässigen Wechseln des Arbeitgebers und solchen, die ihrem Unternehmen länger treu bleiben, durchgeführt. Zum Nachvollziehen zeigen wir hier den daraus folgenden exponentiellen Verlauf des Gehaltes.

Gehaltssteigerung Vertriebsingenieur: Exponentielle Gehaltsentwicklung durch regelmäßige Wechsel der Arbeitgeber

Im Falle eines „treuen“ Vertriebsingenieurs sind wir von einer 5 % Gehaltssteigerung circa alle zwei Jahre ausgegangen. Im Falle von regelmässigen Arbeitgeberwechseln haben wir uns auf Gehaltsdaten aus unseren Erfahrungswerten aus zahlreichen Suchmandaten sowie aktuelle Marktdaten gestützt. Daraus ergeben sich Gehaltssteigerungen zwischen 16 und 26 %. Wir starten für die Betrachtung mit dem Gehalt eines durchschnittlichen Vertriebsingenieurs mit 0 bis zwei Jahren Erfahrung, dieser verdient etwa 50.000 €.

Vergleich GehaltsentwicklungRegelmässige ArbeitgeberwechselOhne Arbeitgeberwechsel
Junior Vertrieb€ 50.000,-€ 50.000,-
Wechsel nach 2,5 Jahren€ 58.000,-1. Gehaltserhöhung von 5% = € 52.500,-
Wechsel nach 3-5 Jahren
(mit jetzt 5,5 – 7,5 Jahren Erfahrung)
€ 69.000,-2. Gehaltserhöhung von 5% = € 55.125,-
3. Gehaltserhöhung von 5% = € 57.881,-
Wechsel nach 4-6 Jahren
(mit mehr als 10 Jahren Erfahrung)
€ 87.000,-4. Gehaltserhöhung von 5% = € 66.775,-
5. Gehaltserhöhung von 5% = € 70.113,-

Somit führen kontinuierliche Veränderung der Arbeitgeber über 10 Jahre gesehen zu einem Mehrgehalt von rund 123.000,- €.

5 weitere Gründe für Jobwechsel 

Neben dem finanziellen Aspekt gibt es ebenso andere wichtige Faktoren für einen Jobwechsel. Statt sogenannten Push-Faktoren, die Sie an Ihrer jetzigen Arbeit stören wie schlechte Work-Life Balance oder zu langer Arbeitsweg, beziehen wir uns hier nur auf positive Motivationen. Bei negativen Motivationen sollte in jeder Hinsicht ein Jobwechsel erzwungen werden und davon abgesehen sind diese Gründe nicht nachhaltig. 

Die top 5 Gründe für regelmäßige Jobwechsel sind… 

1. Weitere Expertisen sammeln

Mit einem neuen Arbeitgeber kommen immer neue Wissensfelder und neue Fertigkeiten dazu, die man erlernen muss. Bleibt man ewig bei einem Arbeitgeber kommt nichts Neues hinzu und man bildet sich nicht weiter. Was eine direkte Verbindung zu Punkt zwei schafft. 

2. Das vorhandene Potenzial ausschöpfen

Im optimalen Fall sollte man doch konstant neues Lernen damit sich das Wissen immer erweitert. Daraus ergibt sich, dass die Arbeit möglichst anspruchsvoll und das möglichst konstant sein sollte. Nur so kann man das Potenzial besser zu werden auch nutzen und seine Zeit somit effizient nutzen, anstatt Zeit mit eintönigen, gewöhnten Abläufen zu verschwenden. 

3. Neue Aufstiegschancen

Langjähriges Warten auf eine Beförderung und fehlende Aufstiegschancen sind ein Karrierekiller. Stattdessen sollte man sich nach ein paar Jahren ohne Möglichkeit auf eine besser bezahlte Stelle im Unternehmen einen neuen Job suchen. Dort ergeben sich wahrscheinlich neue Möglichkeiten, die Karriereleiter hinaufzusteigen. Durch Regelmäßige Wechsel erreicht man eine große Vielfalt an Aufstiegsmöglichkeiten, wodurch man freie Wahl hat, was genau man machen möchte. 

4. Strukturwechsel

Eingesessene oder träge Unternehmensstrukturen sollte man ohnehin frühzeitig erkennen und auf keinen Fall übernehmen. Allerdings kann auch bei einer guten Unternehmensstruktur Luft nach oben sein. Davon abgesehen kann man mit gesammelter Erfahrung verschiedener Unternehmen Ideen in die Struktur des neuen Arbeitgebers einbringen. Es ist oft auch eine Erfahrung wert sich die Unternehmensstruktur eines Start-ups persönlich zu Gemüte zu führen. Diese sind oft viel spannender als andere Unternehmen und bringen ordentlich Wind in die gewohnten Strukturen. 

5. Persönliche Entwicklung

Das Leben lang in einem gewohnten Umfeld zu verbringen, mag einigen gefallen und ist bequem, zur persönlichen Entwicklung trägt es hingegen nicht bei. Menschenkenntnis, Umgang mit neuen Menschen und die Persönlichkeitsentwickelung werden vernachlässigt. Eher wird man faul und bequem durch die mittlerweile leichte Arbeit, die man schon seit Jahren macht. 

Was hindert uns am Jobwechsel? 

1. Wenig produktbezogenes Wissen

Um nachhaltig gute Leistungen zu erbringen ist ein solides Produkt-, Branchen- und Kundenverständnis erforderlich. Wissen, dass wir uns oft über Jahre erarbeiten. Der Verlust dieses Wissens und die Angst vorm neu erlernen hindern uns zu Unrecht am Jobwechsel. Sicher ist es anfangs schwer Fachkenntnis über ein neues Produkt zu erlernen, der Gewinn daraus ist aber viel größer als die Energie, die Sie dafür aufwenden müssen. 

2. Einarbeitung

Ein Jobwechsel bedeutet in der Regel eine neue Einarbeitungsphase. Der bloße Gedanke ans Thema Einarbeitung lässt einen Jobwechsel für viele sofort unangenehm wirken. Dabei wird Ihnen ihr neuer Vorgesetzter keine Vorwürfe machen und versuchen den Arbeitseinstieg angenehm zu gestalten. Anfangs nicht jedes Detail zu verstehen ist normal. 

3. Zu hohe Erwartungen

Hohe Erwartungen schnell produktiv werden zu müssen, sind natürlich teilweise angebracht. Das neue Unternehmen freut sich über frühe Produktivität ihrerseits. Einarbeitung kostet einem Unternehmen Geld und Nerven. Dieses Risiko geht das Unternehmen aber freiwillig und bewusst ein, weil es Ihre Kenntnisse benötigt. Unterschätzen Sie deshalb nicht Ihren Wert. Es ist kein Grund denselben Job für immer zu behalten.  

4. Fehlende Karriereplanung

Sie sind in Ihrem jetzigen Job zufrieden und es ist angenehm dort zu arbeiten. Diese Gedanken mögen stimmen, können sie aber davon abhalten Ihr Potenzial auszunutzen. Wenn Sie mehr verdienen wollen, sollten Sie sich Ziele setzen und Ihre Karriere planen. Regelmäßige Jobwechsel können dafür sorgen, dass Sie auf Dauer das doppelte von dem verdienen, was ein treuer Arbeitnehmer verdient. 

5. Angst vor Risiken

Große Veränderungen bringen auch Risiken mit sich. Schrecken Sie nicht zurück. Bewerten Sie die Situation subjektiv.  

Eine große Hilfe dafür ist ein psychologischer Trick. Denken Sie sich ein realistisches Worst-Case-Szenario aus. Was kann alles genau schiefgehen? Schreiben Sie es vielleicht auf. Das Gleiche machen Sie mit dem Best Case.  

Jetzt bewerten Sie beide und stellen fest, so schlimm ist das Worst-Case-Szenario gar nicht. Ein akzeptables Risiko für den möglicherweise bevorstehenden Gewinn. Das schlimmste Szenario ist in den meisten Fällen, dass es mit dem Arbeitgeber nicht passt und Sie sich einen neuen suchen. Dann ist es so und Sie haben was gelernt. 

Wir haben Angst vor dem Unbekannten, wenn wir das Unbekannte benennen, schrumpft die Angst auf ein Minimum. 

Wie können wir Risiken und Chancen eines Jobwechsels abwägen? 

Selbstverständlich sind Wechsel eines Arbeitgebers auch als Vertriebsingenieur minutiös zu planen und sollten nicht nur vor dem Hintergrund einer kurzfristigen Gehaltssteigerung erfolgen. Für einen erfolgreichen Karriereverlauf müssen potentielle Risiken identifiziert und bewertet und den möglichen Chancen gegenübergestellt werden. Aus unserer Erfahrung helfen dabei die nachfolgenden Fragen:

1. Wie sieht die langfristige Karriere-Planung aus?

Begin with the end in mind.

Stephen Covey

Wir sollten uns darüber klar sein, was das Ziel unseres Berufslebens ist. 

  • Wollen wir ein langweiliges einfaches Berufsleben führen oder die Karriereleiter besteigen und möglichst viel verdienen? 

Auf dieser Basis kann man mögliche Lösungswege finden für die vorliegende Problematik finden. Dazu sollte man sich Zwischenziele setzen und diese einhalten. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig flexibel zu bleiben, falls sich nicht vorhergesehene Chancen in einem Unternehmen ergeben sollten. Hier gilt es abzuwägen: 

  • Was kann ich beim neuen Arbeitgeber verdienen/ was muss ich dafür tun? 
  • Welches Risiko habe ich/ welche Sicherheiten gebe ich ab? 

Auf Basis dieser Fragen kann man im Zusammenhang mit dem Karriereplan rational basierte Entscheidungen treffen. 

2. Wer ist der ideale Arbeitgeber?

Unter der Voraussetzung sich nicht an die bekannten Bereiche zu klammern, auch wenn dies verlockend, ist es essenziell vor dem Bewerben herauszufinden, in welchen Fachbereichen man sich weiterentwickeln will und welcher der perfekte Arbeitgeber für einen ist. In neue Bereiche vorzustoßen ist heutzutage wichtiger denn je. Ein nullachtfünfzehn Arbeitsplatz hat keinen Anspruch, hier ist es nicht erforderlich weitgreifendes Fachwissen aufzubauen. Auf unserem Karriereplan steht aber ganz sicher nicht nullachtfünfzehn. Also gilt es sich einen neuen Fachbereich vorzunehmen. 

3. Passt das Unternehmen zu mir?

Falls Sie einen Fachbereich oder ein Unternehmen gewählt haben, fragen Sie sich, ob Sie sich damit identifizieren können. Evaluieren Sie sich selbst, um zu sehen, ob der Job zu Ihnen passt. Wie genau Sie das machen und worauf Sie bei der Bewerbung achten müssen, finden Sie hier

4. Wann sollte man aufhören die Jobs zu wechseln?

Experten raten durchweg nicht weniger als 2 bis 3 Jahre zwischen einem Jobwechsel vergehen zu lassen. Gleichzeitig sollte man nicht länger als 5 Jahre im selben Unternehmen bleiben. Zu kurze Verweildauern führen zu Ineffizienz und sind deshalb von vielen Arbeitgebern nicht gerne gesehen. Zu lange Verweildauern verleiten zum Eindruck fehlender Flexibilität und schränken Ihre Weiterbildung ein.  

In Bezug auf Vertriebler machen Arbeitsverhältnisse erst ab 3 Jahren Sinn. Der Aufbau eines neuen Kundenstamms verlangt Zeit und Treue. Bekannte Gesichter werden gerne gesehen. 

Generell lässt sich sagen, dass Jobhopping mit zunehmendem Alter immer weniger Sinn ergibt. Ab 50 übersteigen die Risiken allmählich die daraus resultierenden Vorteile und es wird immer schwerer neue Jobs zu finden. Bis dahin hat man mit guter Karriereplanung schon mehr als genug Erfahrung gesammelt, um in einem Unternehmen zu bleiben. 

5. Die 80/ 20 Regel für Jobwechsel

Das wohl größte Risiko und die somit größte Angst sind fehlende Skills. Alles neu erlernen zu müssen macht vielen zurecht Angst. Deshalb ist es wichtig darauf zu achten, dass man nicht zu viel Neues auf einmal bekommt. Man kann lieber häufiger wechseln, statt gegen eine frustrierende Wand zu laufen. Wir raten Kandidaten hier zur Anwendung der „80/ 20-Regel“. Diese besagt, dass eine neue Position auf einem Kompetenz-Kern aus vorhandenen Skills und Erfahrungen von rund 80 % aufbauen sollte. Dieser Kompetenz-Kern sollte durch einen Wechsel um 20 % neue Skills erweitert werden. So wird eine schnelle Produktivität sichergestellt, was zudem zu einem ausgewogenen Win-Win-Verhältnis mit dem neuen Arbeitgeber führt. 

6. Pro-aktive Planung statt reaktivem Chaos

Natürlich kann man warten, bis ein Jobwechsel als Reaktion auf eine Entlassung oder andere Events erzwungen wird. Auf diese Weise findet man aber nicht den besten Job, handelt kurzfristig, hektisch und emotionsgesteuert. Am besten wäre es antizyklisch, regelmäßig neue Jobs zu suchen und an seiner Karriereplanung festzuhalten. Das bedeutet nicht in einer Entlassungswelle zu hängen, sondern vielleicht sogar dann einen neuen Job zu suchen, wenn es gerade besonders gut läuft, denn wenn es in Ihrem Unternehmen gut läuft, tut es das vielleicht auch woanders. Hier kann es sich lohnen mal den Arbeitsmarkt im Blick zu haben. 

Fazit

Regelmäßige Jobwechsel führen bei einem Vertriebsingenieur zu einer überragenden Gehaltssteigerung. Solange die Vorteile die Risiken überwiegen, ist es unerlässlich sie in die Karriereplanung einzubauen. Wer offen für neues ist und dazulernen will hat hiermit die perfekte Möglichkeit dazu. Also los… 

Sally Benedict ist Geschäftsführerin und Community Managerin von SalesEngineer.careers. Neben ihrer Rolle als dreifache Mutter ist sie seit mehr als 10 Jahren als Personalberaterin mit dem Schwerpunkt technischer Vertrieb tätig.

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